Unser letzter großer Auftrag bestand aus der Anfertigung einer Fallstudie zum Thema “Der Weg zum Gärtner/In im Kanton Zürich”, eingebettet in das Modulthema “Berufsbildung in der Schweiz”. Hierfür erhielten wir in Gruppen von jeweils zwei Personen einen Lernjob, in dem das Szenario beschrieben und die einzelnen Aspekte aufgeführt waren, die wir beachten und bearbeiten sollten.
Die Bearbeitung der Fallstudie erwies sich dann als ziemlich spannend. Zum einen verlor damit das Thema Berufsbildung seinen auf den ersten Blick so gänzlich abstrakten Charakter. Nichts ist nämlich schlimmer als Auftrage erfüllen zu müssen, wie “Erarbeitet die wichtigsten Aspekte, wie man in der Schweiz einen Lehrberuf ergreifen kann”. Gerade in dieser Abstraktheit liegt die Gefahr einer vollkommenen Demotivierung. Stattdessen gingen wir sehr engagiert zu Werke und suchten die im Internet auffindbaren Quellen und Hinweise heraus, die wir auswerteten und nach einer abgesprochenen Struktur zusammenstellten.
Folgende Vorteile einer Fallstudie lassen sich nun für mich aus eigener Erfahrung feststellen:
- die Identifikation mit dem Untersuchungsgegenstand ist hoch und dies wirkt motivierend
- ein abstraktes Thema gewinnt an Gegenständlichkeit, wird fassbar und sinnvoll erlebt
- die Ergebnisse der Fallstudie sind übertragbar, da die Aufgabenstellung so angelegt war, dass unser “Fall” durchaus exemplarischen Charakter besaß und auch auf andere handwerkliche Berufe angewendet werden kann; der Lerneffekt ist also dementsprechend hoch
- gleichzeitig ist man tief in die Materie abgetaucht und hatte abschließend das Gefühl, tatsächlich die erworbenen Kenntnisse verinnerlicht zu haben
- hinzu kam die Partnerarbeit, der Austausch über das Vorgehen, die Auswahl und die Auswertung der Dokumente, was für den Lernprozess zusätzlich förderlich war
- durch die eigenen Recherchen hat man “forschend gelernt”, was ich besonders anregend fand
- förderlich ist auch die Freiheit, mit der man die Ergebnisse aufbereiten und darstellen kann
Abschließend würde ich als einzigen Nachteil den hohen Zeitaufwand empfinden, vor allem wenn ich an den Einsatz von Fallstudien in meinem Unterricht denke. Allerdings ist der Zeitaufwand im Hinblick auf den Gewinn dieser Methode für die SchülerInnen absolut gerechtfertigt. Diese werden im Unterricht zu selbst Handelnden und enorm aktiviert. Durch Fallstudien kann letztendlich ein hoher Grad des Lernens in kognitiver, sozialer, emotionaler und selbst moralischer Dimension erreicht werden.