Exkursion in die KV Zürich Business School

Letzte Woche führte uns unsere Exkursion in die KV Business School in Zürich, in der kaufmännische Lehrlinge in dreijähriger Lehrzeit ausgebildet werden. Mit ca. 4100 SchülerInnen und 230 Lehrkräften handelt es sich um die größte KV – Berufsschule in der Schweiz. Die SchülerInnen sind in drei Niveaus eingeteilt: in das B-Profil, das eine Basisbildung mit einer Fremdsprache umfasst; in ein E-Profil, das eine erweiterte Grundausbildung mit zwei Sprachen umfasst und ein M-Profil, das die Grundbildung mit Berufsmaturität bezeichnet. Alle drei Profile schließen mit dem EFZ, dem Eidgenössischen Fähigkeitszertifikat ab. AbsolventInnen des B und E-Profiles können in zwei oder drei Semestern die Berufsmaturität noch nachholen.

Das Schulgebäude bzw. die Schulgebäude sind angesichts der Schülerzahlen riesig und erinnern eher an einen Uni-Campus, denn an eine Berufsschule. Die Ausstattung ist phantastisch: Computerkabinette, Schwimmhalle, Sporträume und helle, lichte Klassenräume. Dennoch hat die Schule aufgrund ihrer Größe  etwas Molochartiges und doch recht Unpersönliches. In Anbetracht der zahlreichen Klassen, die jeder Lehrperson unterrichtet, bleibt es offensichtlich schwierig, ein persönliches Verhältnis zu den einzelnen SchülerInnen aufzubauen oder individuell auf diese einzugehen.

Die Anforderungen sind sehr hoch: neben den drei Tagen im Lehrbetrieben, sind zwei – mitunter bis zu zehnstündige Schultage – zu absolvieren. An den Abenden und am Wochenende müssen Hausaufgaben erledigt werden. Motivation und Belastbarkeit (auf Schüler- wie Lehrerseite) scheinen mir die absoluten Voraussetzungen, um dieses Programm überhaupt durchzuhalten und die Business School erfolgreich abzuschließen. (Also das absolute Kontrastprogramm zu Jürg Jegges Märtplatz.) Die SchülerInnen müssen ein Höchstmaß an Organisiertheit und Diszipliniertheit an den Tag legen, um das Pensum zu bewältigen. Die Hinweise auf der Homepage mit Hilfestellungen für Lernende erscheinen mir da wenig ausreichend. Anscheinend gibt es keine praktische Unterstützung, die beim “Lernen lernen” hilft. Zur Verfügung steht jedoch eine Online-Beratung und ein care-Team von Psychologen, welche den SchülerInnen bei Problemen zur Verfügung stehen. Erstaunlicherweise scheinen diese aber – nach Auskunft der Schulleiter – eher für die alltäglichen Probleme der Heranwachsenden und weniger für den Umgang mit schulischen Belastungen herangezogen zu werden.

4 Kommentare

Eingeordnet unter BP-Elemente

4 Antworten zu Exkursion in die KV Zürich Business School

  1. Heini Holzer

    Salli,

    ich möchte dir voll und ganz zustimmen, die KV Business School hat was Molochartiges. Ich hab mich da auch nicht so ganz wohlgefühlt. So das ganze Ambiente hat was von einen Kaderschmiede und auch die Aussagen der Schulleitung lässt eigentlich nur den Rückschluss zu dass die da nach dem Sprichwort: Friss oder stirb! verfahren. Die Schüler haben ein hohes Pensum zu absolvieren. Freiräume gibt es da kaum. Im Gegenteil, alles scheint auf die Minute genau geplant und durchorganisiert. Das hat sich sinnbildlich auch an unserem Rundgang gezeigt. Der Fahrplan musste eingehalten werden, komme was wolle. Dieser Zug und Leistungsdruck überträgt sich auf die Arbeit der Lehrpersonen.
    Interessant fand ich deine Ausführungen über die Online-Beratung mit Hilfe derer die Schüler Psychologen kontaktieren können wenn sie Probleme haben. Du sagst, dass es dich wundert, dass eher alltägliche Probleme der Heranwachsenden und weniger Probleme in Bezug auf die schulischen Belastungen zur Sprache kommen. Ich denke, dass die alltäglichen Probleme für die Schüler eine grössere Last darstellen, da es nicht so einfach ist mit dem eigenen Bekanntenkreis darüber zu Reden. Über die schulische Belastung lässt man sich im Freundeskreis viel eher aus. Ich denke in diesem Kontext fällt es den Schülern auch nicht so schwer auf Lehrpersonen und/oder Lehrmeister zuzugehen, als bei irgendwelchen Liebesgeschichten. Und meistens ist es ja auch so, dass (Leistungs-)Probleme in der Schule ihre Ursache eigentlich den alltäglichen Problemen der Schüler finden. Diese sind dann nicht mehr voll bei der Sache und können nicht ihr ganzes Potential abrufen. Gerade wenn das Schulpensum hoch ist wirkt sich so was sofort auf die Leistungen aus.

    Beste Grüße

    Heini Holzer

  2. Ja, ich muss sagen: die Business School hat wohl in uns allen einen im wahrsten Sinne des Wortes enormen Eindruck hinterlassen. Besonders im Vergleich zu unserer letzten Exkursion “märtplatz” bekam man an der Business School schnell das Gefühl es herrsche eine hohe Anonymität sowohl zwischen Lehrpersonen und Lernenden als auch unter den Lehrenden selbst. Der kleine, liebevolle Märtplatz im Gegensatz zu diesem riesigen Uni-ähnlichen Komplex war wahrlich ein kleiner “Kulturschock”. So unterschiedlich können also Ausbildungsstätten sein. Trotzdem finde ich es schön, dass wir die Möglichkeit bekommen, so differente Einblicke in die so unterschiedlichen Schulstrukturen zu bekommen. Es wird vielleicht jedem ein bisschen mehr Klarheit geben, was man sich für sich selbst vorstellen kann und was für eine Art Arbeitsstelle für einen selbst in Frage kommen könnte oder aber auch nicht. Eine gute Erfahrung.

  3. Herdis

    Dein Beitrag über die Exkursion in die Business School Zürich war besonders interessant für mich, da ich nicht dabei sein konnte. Aber deine Empfindungen über die riesige Schule mit unpersönlichem Ambiente kann ich sehr gut nachempfinden. Es liegt auch in der Natur der Ausbildung, dass z.B. die Anforderungen in der Berufsmaturität sehr hoch sind. Da liegt es wirklich an einem selber, ob man das Pensum schafft oder nicht. Meine Tochter besucht auch eine BM Klasse in einem grossen – wenn auch nicht ganz so gross wie in Zürich – Berufsbildungszentrum. Dort rechnet man bereits jedes Jahr mit massiven Verkleinerungen der BM Klassen – that’s the way it is. Auch der Kontakt zu den Lernenden ist eher unpersönlich. Der Druck, der auf den Lernenden lastet, ist dadurch natürlich sehr hoch. Oft sehen Sie sich so vielen Anforderungen gegenübergestellt (Betrieb, Schule, Elternhaus), dass sie den Druck nicht länger aushalten. Da liegt dann der Wechsel in ein anderes Profil nahe.
    Ich selber werde nach den Sommerferien an einem BZ mittlerer Grösse arbeiten. Die kaufmännische Abteilung umfasst ca. 400 Lernende und man hat mir bereits bestätigt, dass man sich dort noch kennt und den persönlichen Kontakt zu den Lernenden sucht. Ich denke, dass das sehr wichtig ist, denn Didaktik ist Beziehungssache!

  4. Pingback: KV Zürich – Business School « Bpblogphtg's Blog

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